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Der Eispalast

Eine blaue Drehtüre gibt uns den Weg frei zu einer blauen Treppe, das Gewölbe aus Felsen über uns verwandelt sich im Gletscher. Wir sind drin, mitten im Jungfraufirn. 20 Meter unter dem Aussichtsplateau, an der Wasserscheide Europas türmen sich die Eismassen, die langsam Richtung Norden wandern und deren Wasser einmal in die Nordsee fliessen wird.

Vor uns öffnen sich höhlenartig, lange Gänge, weiten sich zu Räumen und Hallen. In Nischen tauchen die ersten Eisskulpturen auf, bläulich schimmert eine ewige Welt aus Eis.

Vor rund 50 Jahren haben zwei Bergführer aus Grindelwald und Wengen damit begonnen, eine gewaltige Halle mit über tausend Quadratmeter Fläche aus dem Gletschereis zu schneiden. In Handarbeit, mit Eispickel und Säge, in einer kalten und finsteren Umgebung, entstand eines der Wahrzeichen des Jungfraujochs.

Eine Attraktion, die selbst bei stürmischen und arktischen Wetterverhältnissen von jedem Gast besucht werden kann. Das ganze Jahr hindurch ist der Eispalast geöffnet, genauso wie die Jungfraubahn, die mit ihren Passagieren Tag für Tag auf das Top of Europe, in 3'454 Meter Höhe, fährt.

Das 1934 begonnene Werk aus Eis und Schnee ist nie fertig. Laufend müssen die Gewölbe der Gänge, die Decken der Hallen neu nachgehauen werden. Eine der wichtigsten Arbeiten des Eismeisters, wenn er verhindern will, dass der Eispalast zusammen mit dem Jungfraugletscher ins Tal fliesst. Langsam und stetig, aber unaufhaltsam. Die filigranen Eisskulpturen: Eisadler, Pinguine, Eisbären, entstehen jedes Jahr neu aus der Hand eines Interlakner Eiskünstlers. Sein grösster Feind ist die Wärme, sie nagt an den Eisfiguren, die in vielen Stunden entstanden sind. Die Wärme bringen die tausenden von Besucher mit sich in den Eispalast.

Jeder Gast strahlt Energie in Form von Wärme ab, die einer Hundert-Watt-Glühbirne entspricht. 1997 waren es über eine halbe Million Besucher aus aller Welt. Seit drei Jahren wird der Eispalast zusätzlich gekühlt.

Eine Klimaanlage kühlt die Aussenluft auf minus 10 Grad ab und bläst diese durch die Gletschertunnel. So steigt die Temperatur der Eiswände nicht über minus 2 Grad an.

Doch lassen wir uns nicht verleiten, die einmalige Atmosphäre der Gletscherwelt nur von der technischen Seite zu betrachten. So interessant und aufwendig sie auch ist, den Eispalast müssen wir mit den Augen der Kinder betrachten.

In der Nähe des Eispalastes befindet sich das Jungfraufirn-Plateau, wo in 3475 Metern über Meer die Schweizer Fahne weht.



© Fotos: jungfraubahnen.ch / eispalast
 
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